Ein Nischenmarkt mit wachsender Auswahl
Bis vor Kurzem mussten Interessenten eines vollelektrischen Pickups sich ausschließlich mit dem Maxus T90 EV begnügen, einem Fahrzeug mit bescheidener Reichweite und schwacher Anhängelast, das trotzdem 2025 mit 196 Einheiten die Verkaufsstatistik anführte.[2]Auto Motor und Sport, Maxus T90 EV Pick-up, Modelldaten; Senger Mobility, Maxus T90 EV Übersicht; ADAC Autokatalog, Bauzeitangabe Seit Herbst 2025 tritt mit dem KGM Musso EV ein zweites Modell an, seit März desselben Jahres mit dem Maxus eTerron 9 ein drittes.[3]KGM Newsroom, Pressemitteilung Marktstart Musso EV, 19. September 2025[4]Maxus Deutschland/Astara, Pressemitteilung eTerron 9 Markteinführung, 14. März 2025; LOGISTRA, Maxus fünf Jahre in Deutschland 2026 folgen mit Toyota Hilux BEV und Isuzu D-Max EV zwei etablierte Marken, die dem Segment 2026 erstmals nennenswerte Stückzahlen bringen dürften.
Wer sich für Handwerk, Kommune oder Forstbetrieb einen dieser Pickups anschafft, sollte einen steuerlichen Punkt vorab klären: Pickups mit kurzer Doppelkabine gelten zulassungsrechtlich meist als Nutzfahrzeug der Klasse N1, für die Kraftfahrzeugsteuer zählt aber nach ständiger Rechtsprechung das tatsächliche Verhältnis von Ladefläche zu Nutzfläche, nicht allein der Zulassungseintrag.[5]Finanzgericht Münster, Rechtsprechung zur kraftfahrzeugsteuerlichen Einordnung von Pick-up-Fahrzeugen Bei der Firmenwagenbesteuerung profitieren alle fünf Modelle gleichermaßen von der günstigsten Stufe: Seit dem 1. Juli 2025 gilt die 0,25-Prozent-Regelung für batterieelektrische Fahrzeuge bis zu einem Bruttolistenpreis von 100.000 Euro, zuvor lag die Grenze bei 70.000 Euro.[6]§ 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG in der seit 1. Juli 2025 geltenden Fassung Keiner der fünf Pickups kommt dieser Schwelle nahe.
KGM Musso EV: Der günstige Einstieg mit dem dichtesten Servicenetz

KGM Musso EV mit Blick auf das Mittelrheintal. © KGM
Der erste in Serie gebaute vollelektrische Pickup eines südkoreanischen Herstellers rollt seit Herbst 2025 zu Preisen ab 35.290 Euro netto (41.990 Euro brutto in der Herstellerkommunikation) nach Deutschland, vertrieben über 132 KGM-Partnerbetriebe an 140 Standorten, das dichteste Netz im Feld.[3]KGM Newsroom, Pressemitteilung Marktstart Musso EV, 19. September 2025 Die Basis liefert die Torres-EVX-Plattform: eine 80,6-Kilowattstunden-Batterie mit LFP-Zellchemie (Lithium-Eisen-Phosphat, langlebiger und günstiger als klassische Nickel-Kobalt-Zellen, dafür etwas schwerer), 152 Kilowatt Leistung an der Vorderachse in der Basisversion, wahlweise ein zweiter Motor für Allradantrieb. Die Reichweite nach WLTP liegt je nach Antrieb zwischen 379 und 419 Kilometern. Seit Juni 2026 ergänzt eine Black Edition mit serienmäßigem Allrad, 175 Kilowatt Systemleistung und 2.300 Kilogramm Anhängelast das Programm, den bislang höchsten Wert der Baureihe.[7]KGM Newsroom, Markteinführung Black Edition, 2. Juni 2026
Bei der Nutzlast zeigt sich die Kehrseite des Umstiegs: KGM gibt für den Musso EV bis zu 500 Kilogramm an, der Diesel-Musso schafft bis zu 1.205 Kilogramm.[8]ADAC Autokatalog, KGM Musso EV Core und Lux, technische Daten; firmenauto.de, Fahrbericht KGM Musso EV Wer Werkzeug, Material und Fahrer zusammenrechnet, verliert beim Umstieg auf Strom über 700 Kilogramm Zuladung, mehr als jedes andere Modell dieser Übersicht.
Maxus eTerron 9: Die meiste Anhängelast, am wenigsten Nutzfahrzeug

Maxus eTerron 9, mit 5,50 Metern das längste Fahrzeug dieser Übersicht. © Maxus
Seit dem 14. März 2025 verkauft Maxus über sein deutsches Vertriebsnetz aus mehr als 60 Partnern den eTerron 9, mit 5,50 Metern das längste Fahrzeug im Feld.[4]Maxus Deutschland/Astara, Pressemitteilung eTerron 9 Markteinführung, 14. März 2025; LOGISTRA, Maxus fünf Jahre in Deutschland Zwei Motoren leisten zusammen 325 Kilowatt beziehungsweise 442 PS, die 102-Kilowattstunden-LFP-Batterie reicht laut WLTP für 430 Kilometer, den besten offiziell bestätigten Wert unter den bestellbaren Modellen. Bei der Anhängelast liegt der eTerron 9 mit 3.500 Kilogramm gleichauf mit dem Iveco eDaily aus der Kastenwagen-Klasse und damit an der Spitze aller Fahrzeuge dieser Übersicht.
Technisch verrät der eTerron 9 seine SUV-Herkunft: Statt eines Leiterrahmens kommt eine selbsttragende Karosserie mit Luftfederung und Einzelradaufhängung hinten zum Einsatz, ungewöhnlich für einen Pickup, komfortabel für den Alltag. Die Nutzlast liegt bei 620 Kilogramm, spürbar über dem Musso EV, aber immer noch gut 400 Kilogramm unter einem vergleichbaren Diesel-Pickup wie dem Toyota Hilux.[9]autohaus.de, Testbericht Maxus eTerron 9 Der Preis beginnt bei 62.990 Euro netto, gut 27.700 Euro mehr als der Musso EV in seiner günstigsten Variante mit rund 35.290 Euro netto.
Maxus T90 EV: Der Pionier läuft aus

Maxus T90 EV, seit 2023 der Pionier unter den deutschen Elektro-Pickups. © Maxus
Bevor es Konkurrenz gab, war der T90 EV der einzige elektrische Pickup Deutschlands. Seit 2023 im Angebot, mit bescheidenen 330 Kilometern WLTP-Reichweite und nur 1.000 Kilogramm Anhängelast technisch inzwischen überholt, verkaufte er sich 2025 trotzdem 196-mal, mehr als jeder Nachfolger.[2]Auto Motor und Sport, Maxus T90 EV Pick-up, Modelldaten; Senger Mobility, Maxus T90 EV Übersicht; ADAC Autokatalog, Bauzeitangabe Laut ADAC-Katalog endet die Bauzeit im März 2026, das Modell ist also nur noch aus Restbeständen erhältlich. Für Betriebe, die günstig in ein elektrisches Nutzfahrzeug mit Pritsche einsteigen wollen und mit der begrenzten Reichweite leben können, bleibt er trotzdem eine Option, solange Restbestände verfügbar sind.
Toyota Hilux BEV: Der Allradler mit der kleinsten Batterie

Toyota Hilux BEV, neunte Generation, erstmals mit permanentem Allradantrieb. © Toyota
Am 10. November 2025 stellte Toyota die neunte Hilux-Generation vor, erstmals auch mit Elektroantrieb; der Bestellstart für Deutschland folgt im zweiten Quartal 2026.[10]Auto Motor und Sport, erster Test Toyota Hilux 2026[11]firmenauto.de, Toyota Hilux Elektro, Marktstrategie Deutschland; AUTO ZEITUNG, Toyota Hilux 2026 Zwei Motoren an Vorder- und Hinterachse leisten zusammen 144 Kilowatt beziehungsweise 196 PS bei permanentem Allradantrieb, die Batterie fällt mit 59,2 Kilowattstunden deutlich kleiner aus als bei der Konkurrenz. Entsprechend kurz gerät die Reichweite: 255 bis 257 Kilometer nach WLTP, der niedrigste Wert dieser Übersicht.
Bei der Nutzlast kommt der Hilux BEV mit 715 Kilogramm näher an das Diesel-Pendant mit rund 1.000 Kilogramm heran als der Musso EV, verliert aber ebenfalls gut 280 Kilogramm.[12]MeinAuto.de, Toyota Hilux 2026 Marktdaten Für die Batterie verspricht Toyota zehn Jahre oder 250.000 Kilometer Garantie. Einen deutschen Preis nannte der Hersteller zum Redaktionsschluss noch nicht.
Isuzu D-Max EV: Der Einzige nahe am Diesel-Niveau

Isuzu D-Max EV, vorgestellt auf der Nutzfahrzeugmesse in Birmingham. © Isuzu
Isuzu zeigte den D-Max EV zuerst auf der Nutzfahrzeugmesse in Birmingham, die britische Auslieferung startet im März 2026, ein verbindlicher deutscher Termin steht zum Redaktionsschluss noch aus.[13]InsideEVs, Isuzu D-Max EV[14]firmenauto.de, Isuzu D-Max EV Marktstart 2026 Zwei Motoren mit zusammen 140 Kilowatt beziehungsweise 190 PS und eine 66,9-Kilowattstunden-Batterie ergeben 263 Kilometer Reichweite, ebenfalls eher knapp bemessen.
Bei den Nutzwerten sticht der D-Max EV dagegen heraus: Bis zu 1.000 Kilogramm Nutzlast und 3.500 Kilogramm Anhängelast liegen nur wenig unter dem Diesel-Original mit bis zu 1.205 Kilogramm Nutzlast, ein deutlich kleinerer Abstand als bei jedem anderen Modell dieser Übersicht. Sollte sich das im deutschen Markt bestätigen, wäre der D-Max EV der erste batterieelektrische Pickup, der Handwerksbetrieben und Kommunen kaum Kompromisse bei der Zuladung abverlangt. Auch hier fehlt zum Redaktionsschluss ein deutscher Preis.
Was fehlt, und warum
Vier weitere Namen fallen in der Diskussion um Elektro-Pickups häufig, gehören aber zum Stichtag nicht in diese Übersicht. Der chinesische Riddara RD6 hat keinen offiziellen deutschen Vertrieb. Erhältlich ist er allenfalls über einen Händler in Nordzypern, mit Preisen in britischen Pfund. Ein Angebot für den deutschen Markt existiert nicht.
Der Ford Ranger fährt in Deutschland weiterhin nur mit Diesel- oder Plug-in-Hybrid-Antrieb, eine reine Elektroversion bietet Ford hier nicht an. Der Tesla Cybertruck besitzt keine EU-Typgenehmigung, das Bundesministerium für Digitales und Verkehr lehnt auch eine nationale Einzelgenehmigung wegen erheblicher Abweichungen vom EU-Fußgängerschutz ab. Der Ford F-150 Lightning schließlich hat gar keinen offiziellen Marktzugang in Europa.
Erste Praxiserfahrungen
Wie Betriebe die neuen Modelle im Alltag einschätzen, zeigte ein Workshop der Henne Nutzfahrzeuge GmbH Ende Mai 2026 in Heimstetten, zu dem Vertreter von Autobahnmeistereien, Wasserwirtschaft und Kommunen eingeladen waren.[15]Bayerische GemeindeZeitung, Ausgabe GZ-12-2026 vom 18. Juni 2026, Autor Michael von Hassel KGM-Vertreter Dirk Frischknecht bezeichnete den kommunalen Markt als gezieltes Ziel, weil dort künftig verstärkt elektrisch beschafft werden müsse. Verkaufsleiter Boris Giesen betonte, es gehe um direkten Austausch statt einseitiger Präsentation. Der Bericht der Bayerischen GemeindeZeitung zieht ein vorsichtiges Fazit: Viele der anwesenden Kommunen prüften Reichweite, Ladeinfrastruktur und Wintertauglichkeit noch, eine breite Beschaffung stehe erst am Anfang.
Alle Angaben Stand 10. September 2026. Preise wie angegeben netto, Ausgangswerte der Herstellerkommunikation in Klammern, wo abweichend. Reichweiten nach WLTP, Herstellerangaben, keine Messwerte. Bei Toyota Hilux BEV und Isuzu D-Max EV lag zum Redaktionsschluss kein deutscher Preis vor.