Warum das Gespräch heute anders läuft

Der DAT-Report 2025 zeigt zunächst Kontraintuitives. Erhoben wurde er unter privaten Neuwagenkäufern, die schon einmal am Steuer eines Elektroautos saßen, sei es als Mietwagen, Dienstwagen oder bei einer Probefahrt. 42 Prozent nannten die Entscheidung zwischen Verbrenner und BEV schwierig bis sehr komplex, unter allen Neuwagenkäufern waren es 30 Prozent.[1] Gleichzeitig wird der Händler als Informationsquelle immer wichtiger: 47 Prozent aus dieser Gruppe bestätigen das, gegenüber 32 Prozent aller Neuwagenkäufer.[1] DAT-Autorin Uta Heller ordnet das ein: Wer sich bereits mit Elektromobilität beschäftigt hat, verlangt nach mehr Beratung.[1]

Das Paradox lässt sich auflösen: Aus mehr Wissen entstehen mehr Fragen. Gleichzeitig sind zwei Drittel aller Pkw-Halter noch nie ein BEV gefahren, treffen ihre Entscheidung also komplett ohne Eigenerfahrung.[1] Beide Gruppen kommen mit unterschiedlichen Bedürfnissen ins Gespräch, die eine mit Detailfragen, die andere mit Grundskepsis: 72 Prozent der Nicht-Umsteiger sind beim Wiederverkaufswert unsicher, 70 Prozent erwarten teure Reparaturen, 67 Prozent haben Angst vor dem Liegenbleiben.[1]

Gerade die Reichweiten der E-Autos haben sich inzwischen deutlich verbessert. Im ADAC-Test lagen 29 geprüfte Elektroautos 2024 erstmals im Schnitt über 400 Kilometer, gegenüber 2014 beinahe eine Verdreifachung.[2] Die UScale EV Satisfaction Study 2025 kommt aus Nutzersicht zum gleichen Bild: Von 5.004 befragten Haltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz berichten inzwischen 50 Prozent von einer realen Sommerreichweite über 400 Kilometer, ein Jahr zuvor waren es 38 Prozent.[3] UScale-Geschäftsführer Axel Sprenger sagt dazu: Die Skepsis vieler Interessierter sei lange berechtigt gewesen, inzwischen hätten die Hersteller nachgelegt.[3]

Objektiv ist die Reichweitenangst also zunehmend unbegründet. Subjektiv bleibt sie der stärkste Einwand. Genau diese Lücke muss das Verkaufsgespräch schließen, und Zahlen allein schließen sie nicht.

Konkretes Erleben schlägt abstrakte Zahlen

Ein WLTP-Wert ist eine Behauptung, eine gefahrene Strecke ein Beleg. Ein Verkaufsberater, der selbst eine Langstrecke im Elektroauto zurückgelegt hat, spricht über tatsächliche Verbräuche, über Ladezeiten, die er abgewartet hat, und über Ladepunkte, die er gefunden oder eben nicht gefunden hat. Das erreicht den Kunden auf einer anderen Ebene als eine Zeile im Datenblatt.

Wie solche Berichte aufgebaut sind, lässt sich an öffentlich dokumentierten Fahrten nachvollziehen. Vier davon stehen hier stellvertretend, weil sie jeweils ein anderes Kundenbedenken entkräften.

Vier Fahrerlebnisse aus dem Alltag

VW ID. Buzz, Schweiz nach Istrien, 2.452 Kilometer (technikblog.ch, Juli 2025). Ladestopps bewusst mit Alltagsbedürfnissen verknüpft: Frühstück bei 48 Prozent Restakku, kurze Pause bei 11 Prozent, Mittagessen bei 5 Prozent, Ankunft mit rund 50 Prozent.[4]

BMW i3s, Stuttgart über die Schwäbische Alb, rund 190 Kilometer (auto motor und sport). Am Anstieg des Drackensteiner Hangs sank die Restreichweite binnen weniger Kilometer von 45 auf 11, am Ende stand der Testwagen mit 65 Kilometern Restreichweite an der Ladesäule.[5] Die Lehre daraus: Wer ein Elektroauto wie einen Verbrenner fährt, wird überrascht, wer es als eigenes Verkehrsmittel begreift, nicht.[5]

Polestar 2 Long Range, Niederösterreich nach München, 250 Kilometer (electricar-magazin.de). Die Reichweitenprognose rutschte auf der Autobahn in den einstelligen Prozentbereich, stieg nach dem Wechsel auf die Landstraße durch Rekuperation aber wieder deutlich.[6]

Kia EV3, Testreise über 600 Kilometer (GameStar). Die Praxis-Taktik: Ladesäule mit recht leerem Akku ansteuern, rund 15 Minuten im optimalen Ladefenster nachladen, weiterfahren.[7] Der Fahrer im Fazit: Die größten Vorurteile, zu geringe Reichweite, ewige Ladepausen, fehlende Säulen, hätten sich in der Praxis fast vollständig aufgelöst.

„So mussten wir eigentlich nie wegen tiefem Akkustand anhalten, sondern wegen menschlichen Bedürfnissen" Hans Fischer über 2.452 Kilometer im VW ID. Buzz, technikblog.ch, Juli 2025

Alle vier Berichte folgen demselben Muster, das sich für Verkaufsgespräche nutzen lässt: Aus „das Auto schafft 400 Kilometer" wird „wir haben in Bellinzona mit 48 Prozent gestanden und in derselben Zeit gefrühstückt". Dieselbe Zahl, jetzt aber als Erfahrung statt als Grenze.

Dass Kunden genau das suchen, ist belegt. In einer Befragung der BMW Bank zu Vorbehalten gegen gebrauchte Elektrofahrzeuge wünschten sich zwei Drittel der Teilnehmer ausdrücklich mehr Erfahrungsberichte anderer Käufer.[19] Der Verkäufer, der eine eigene Fahrt schildert, trifft damit einen echten Wunsch.

Warum dieses Muster wirkt, erklärt die Verkaufspsychologie. Studien speziell zum Elektroauto-Verkauf fehlen bislang, gesichert ist aber: Unter Unsicherheit überzeugen greifbare Botschaften aus dem realen Leben nachweislich stärker als allgemeine.[9] Für die meisten Kunden ist der Umstieg auf ein Elektroauto genau so eine Entscheidung unter Unsicherheit. Hinzu kommt ein Gedächtniseffekt: Zahlen verblassen, Geschichten bleiben.[9]

Im Markt gibt es dafür bereits ein Schulungsangebot. Die DEKRA-zertifizierte Zusatzausbildung „Sales-Genius Elektromobilität" der emobile academy lässt Verkaufspersonal Elektrofahrzeuge selbst fahren und laden.[8] Die eigene Fahrerfahrung ist dort fester Bestandteil der Ausbildung.

Die Probefahrt: Ladedemo ist Pflicht

Die Geschichte des Verkäufers bringt den Kunden allerdings nur bis zu dem Punkt, an dem er selbst fahren will. Wie entscheidend dieser Moment geworden ist, zeigt eine ADAC-Umfrage von August 2025: 86 Prozent würden kein Elektroauto ohne vorherige Probefahrt kaufen, 78 Prozent wünschen sich, dass das Laden des Akkus Teil der Testfahrt ist, 70 Prozent wollen mehrere Fahrten.[10] Bemerkenswert für die Neukundengewinnung: Nur 31 Prozent würden beim Umstieg auf ein BEV ihrer bisherigen Marke treu bleiben.[10]

„Das erste Fahrerlebnis entscheidet oft über die Einstellung zur Elektromobilität." ADAC Autoversicherung, Einordnung zur Probefahrt-Umfrage, August 2025

Verbindliche Herstellervorgaben zu Dauer oder Route einer Probefahrt gibt es nicht. In der Praxis haben sich ein bis zwei Stunden über Stadt, Landstraße und Autobahn etabliert. Eine dem Kunden vertraute Strecke ist dabei die bessere Wahl als eine besonders vorteilhafte, denn nur auf bekanntem Terrain kann er den angezeigten Verbrauch mit seiner eigenen Erfahrung abgleichen.

Vor der Fahrt gehören zwei Dinge geklärt. Zunächst die Rekuperation: Die Hersteller legen das Verhalten des Fahrzeugs beim Lupfen des Fahrpedals sehr unterschiedlich aus, von starkem Verzögern bis zum freien Segeln, und Umsteiger empfinden dieselbe Abstimmung je nach Vorerfahrung als zu heftig oder als zu schwach. Wer vorher erklärt, dass es sich um eine bewusste Auslegung und nicht um einen Defekt handelt, verhindert eine Irritation in den ersten Minuten.

Dann die Ladedemonstration. Sie ist mit dem Wunsch von 78 Prozent der Interessenten vom Zusatzangebot zum Pflichtbestandteil geworden, und sie funktioniert nur, wenn sie vorbereitet ist. Der Akkustand sollte bei der Übergabe unter 50 Prozent liegen, damit ein Ladevorgang überhaupt sinnvoll erlebbar ist. In der Fahrt selbst gehören dann drei Dinge dazu: die Ladeplanung des Navigationssystems, das Anstecken durch den Kunden selbst statt durch den Verkäufer, und ein Blick auf die Lade-App samt Preis. Genau diese drei Punkte beschäftigen den Kunden danach im Alltag.

Wer das als Verkäufer umsetzt, muss dazu auch eine Vorschrift beachten, die gern übersehen wird. Nach DGUV Information 209-093 muss jeder, der Fahrzeuge für Probefahrten vorbereitet, bewegt oder lädt, mindestens auf Stufe S sensibilisiert sein. Diese Grundstufe vermittelt eine fachkundige Person Hochvolt betriebsintern in rund 90 Minuten.[11] Für Testfahrten und Fahrzeugpflege ohne Freischaltung der Hochvoltanlage reicht die Stufe 1 beziehungsweise 1E aus, die TÜV SÜD und die DEKRA Akademie anbieten.[11] Die Vorschrift entstand gemeinsam mit dem ZDK und löste 2021 den Vorgänger von 2012 ab; bundesweit sind inzwischen über 30.000 Beschäftigte im Kfz-Gewerbe danach qualifiziert.[11]

Förderung und TCO: Rechnen statt behaupten

Nach der Fahrt geht es um den Preis für das Fahrzeug und die Unterhaltskosten. Die Förderung 2026 gibt dafür konkrete Zahlen her, sofern sie korrekt und am tatsächlich verglichenen Modell vorgerechnet wird. Die sozial gestaffelte Kaufprämie gilt rückwirkend ab dem 1. Januar 2026, Anträge laufen seit dem 19. Mai 2026 über das BAFA.[12] Basis sind 3.000 Euro für reine Elektroautos, dazu kommen bis zu 500 Euro je Kind für höchstens zwei Kinder und bis zu 2.000 Euro Einkommensbonus bei niedrigerem zu versteuerndem Einkommen, in Summe maximal 6.000 Euro.[12] Wichtig für das Gespräch: Die Prämie wird nicht vom Kaufpreis abgezogen, sondern nach Antrag ausgezahlt. Hinzu kommt die THG-Quote, ein jährlich neu zu beantragender Bonus. 2026 liegen die Prämien bei rund 300 Euro, vereinzelt auch darüber.[13]

Ob die Rechnung aufgeht, entscheidet sich am einzelnen Modellpaar, nicht am Antrieb. Beim VW ID.3 Pro bleiben nach Abzug von 6.750 Euro Förderung rund 33.000 Euro, knapp 2.000 Euro weniger als beim vergleichbaren Golf 1.5 eTSI; in der Vollkostenrechnung stehen 56,0 Cent pro Kilometer gegen 59,2 Cent.[14] Beim Mini Countryman liegen Stromer und Benziner mit 36.800 Euro sogar gleichauf, der Diesel kostet 1.500 Euro mehr, und in den Vollkosten liegt die elektrische Variante mit 56,1 Cent pro Kilometer mehr als vier Cent vor beiden Verbrennern.[14]

Andere Paarungen kippen in die Gegenrichtung. Ein Hyundai Kona Elektro kostet rund 7.900 Euro mehr als der vergleichbare Benziner und bleibt selbst mit der Mindestförderung teurer in der Anschaffung.[14] Der Abstand schrumpft allerdings schnell: Nach der Rabattstudie des CAR-Instituts sank der durchschnittliche Mehrpreis für ein Elektroauto im Verlauf des Jahres 2025 von 7.300 auf 1.340 Euro.[20]

Der Satz, Elektroautos seien im Unterhalt günstiger, trägt im Gespräch nicht, weil der Kunde ihn weder prüfen noch widerlegen kann. Eine Rechnung mit vergleichbaren Fahrzeugen auf dem Tisch trägt dagegen, selbst wenn sie zuungunsten des Stromers ausfällt. Ein Verkäufer, der das offen zeigt, wird bei allen anderen Argumenten glaubwürdiger.

Einwände faktenbasiert entkräften

Eine saubere Rechnung räumt die Vorbehalte noch nicht aus. Vier Einwände kommen fast immer: Reichweite, Ladezeit, Batteriezustand, Wiederverkaufswert.[1] Der letzte ist derzeit der schwierigste, weil sich die Marktlage dahinter gerade verschiebt.

Der Abstand besteht fort: Dreijährige Elektroautos erreichten zuletzt rund 49,5 Prozent ihres Listenpreises, Benziner 63,4 und Diesel 61,7 Prozent.[16] Verantwortlich dafür ist auch die Förderung selbst: Wenn ein Neuwagen um mehrere tausend Euro billiger wird, verschiebt sich das Preisgefüge der Gebrauchten mit nach unten, weil der Abstand zum Neufahrzeug schrumpft. Die DAT bestätigt diesen Zusammenhang ausdrücklich.[16] Für den Händler heißt das: Er kann den Restwertnachteil nicht wegdiskutieren, sondern nur einordnen.

Seit dem Frühjahr 2026 bewegt sich diese Einordnung allerdings. Mit Diesel bei 2,168 Euro und Super E10 bei 2,146 Euro je Liter im ADAC-Bundesmittel rechnen viele Autofahrer neu, und das trifft zuerst den Gebrauchtmarkt.[21] Der Preisindex der AUTO1 Group, der über sechs Millionen Großhandelstransaktionen auswertet, fiel im Juli 2026 um 2,3 Prozent unter das Vorjahresniveau. Der Teilindex für Elektroautos legte im selben Zeitraum um 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und um 18,5 Prozent seit Jahresbeginn zu.[22] Der Gesamtmarkt gibt also nach, während gebrauchte Stromer teurer werden.

Auf den Handelsplattformen zeigt sich dieselbe Bewegung. Mobile.de meldet für gebrauchte Elektroautos einen Rückgang der Standtage um 30 Prozent seit Mai 2025, bei AutoScout24 sank die durchschnittliche Standzeit von 55 Tagen im Januar auf 47 Tage im Mai.[23] Noch 2025 brauchte ein Händler im Schnitt 110 Tage, um ein gebrauchtes Elektroauto zu verkaufen, bei Standkosten von 25 bis 30 Euro pro Tag.[24] Zwischen diesen beiden Zahlen liegt der eigentliche Umschwung.

Zwei Ursachen wirken dabei zusammen. Neben dem Kraftstoffpreis fehlt dem Markt ein ganzer Jahrgang: Nach dem abrupten Ende des Umweltbonus im Dezember 2023 brachen die Neuzulassungen batterieelektrischer Pkw 2024 auf 380.609 Stück ein, rund 144.000 weniger als im Jahr zuvor.[22] Genau diese Fahrzeuge laufen jetzt aus den Leasingverträgen und fehlen im Angebot. Im Gespräch lässt sich daraus ein belastbarer Satz bauen: Der Restwertabstand zum Verbrenner besteht weiter, ist zuletzt aber kleiner geworden, aus zwei Gründen: Kraftstoffpreis und fehlender Jahrgang.

Beim Batterie-Einwand ist die Faktenlage eindeutig. Die Geotab-Analyse von Januar 2026 bietet die derzeit breiteste Datenbasis: reale Telematikdaten von über 22.700 Fahrzeugen aus 21 Marken und Modellen. Die durchschnittliche jährliche Kapazitätsdegradation liegt bei 2,3 Prozent, 2024 waren es 1,8 Prozent, der Anstieg erklärt sich vor allem durch häufigeres Schnellladen.[15] Konkret gerechnet: Eine 75-kWh-Batterie verliert bei überwiegender Haushaltsladung nach acht Jahren und rund 125.000 Kilometern etwa 12 Prozent ihrer Kapazität, bei überwiegend schnellem DC-Laden bis zu 22 Prozent, beide Werte liegen deutlich über der Garantiegrenze von 70 Prozent, die Hersteller branchenüblich für 8 Jahre oder 160.000 Kilometer zusagen.[15] Geotab-Managerin Charlotte Argue fasst zusammen: Batterien halten in aller Regel länger als die Fahrzeuge selbst.[15]

Der stärkste Einflussfaktor ist dabei nicht das Alter, sondern das Ladeverhalten. Wer mehr als 12 Prozent seiner Ladevorgänge mit über 100 Prozent beendet, kommt auf bis zu 3,0 Prozent Verlust im Jahr, bei überwiegender Wechselstromladung sind es rund 1,5 Prozent.[15] Das ist eine Zahl, mit der ein Verkäufer arbeiten kann: Wer zu Hause laden kann, hat den Verschleiß seiner Batterie weitgehend selbst in der Hand.

Für das Gespräch heißt das: Eine Batterie mit 80 Prozent Restkapazität verhält sich wie eine kleinere, aber voll funktionsfähige Batterie, kein Defekt, sondern ein normaler, gut dokumentierter Alterungsprozess. Diese Erklärung mit konkreter Prozentzahl wirkt handfester als die pauschale Zusicherung, die Batterie halte lange.

Wie zufrieden sind BEV-Besitzer mit ihrer Entscheidung? Der DAT-Report 2026 wertet private Besitzer von Elektroautos erstmals als eigene Gruppe aus, und ihr Urteil fällt eindeutig aus: 83 Prozent schätzen die ruhige, leise Fahrt, 79 Prozent bezeichnen sich als begeistert von der Technologie.[18]

Diese Zufriedenheit ist allerdings kein Freibrief, und wer sie als solchen verkauft, verliert an Glaubwürdigkeit. Dieselbe Erhebung zeigt zwei offene Flanken: 67 Prozent der BEV-Besitzer ärgern sich über intransparente Ladepreise, 74 Prozent bestätigen, dass die Witterung die Reichweite ihres Fahrzeugs spürbar beeinflusst.[18] Auch die Unsicherheit beim Wiederverkaufswert verschwindet mit der Erfahrung nicht: Sie ist bei BEV-Besitzern ähnlich groß wie bei allen anderen Haltern.[18] Wer im Gespräch sowohl das hohe Urteil über das Fahrerlebnis als auch die bekannten Ärgernisse nennt, wirkt belastbarer als jemand, der nur die Begeisterungswerte vorträgt.

Was noch offen ist

Zwei Fragen, die im Handel regelmäßig gestellt werden, lässt die aktuelle Studienlage unbeantwortet: wie viele Gesprächstermine ein BEV-Kauf gegenüber einem Verbrenner-Kauf zusätzlich braucht und wie lange ein einzelnes Beratungsgespräch dauert.

Ableiten lässt sich nur ein Richtungshinweis: Da 86 Prozent der Kunden eine Probefahrt und 70 Prozent mehrere Fahrten erwarten,[10] heißt das mehr Gesprächstermine als beim klassischen Verbrenner-Verkauf, eine exakte Zahl bleibt aber offen.

89 Prozent der Kunden wollen Beratung, Probefahrt und Kaufabschluss weiterhin im Autohaus erleben, drei Viertel erwarten uneingeschränktes Vertrauen zum Verkäufer, nur 56 Prozent erleben es tatsächlich so.[17] VAD-Präsident Burkhard Weller bringt die Erwartungshaltung auf den Punkt: „Der Kunde will zu uns ins Autohaus [...] Dann macht den Job bitte richtig."

Burkhard Weller, Präsident VAD, zur Studie „Die Deutschen und der Automobilhandel"

Wie sich der Autohandel jetzt vorbereiten sollte

Kurzfristig, in den nächsten vier Wochen

Jeden Verkäufer mindestens ein Wochenende lang privat mit einem Vorführ-BEV fahren lassen, inklusive einer eigenen Strecke mit mindestens einem Ladestopp. Ziel ist eine echte, selbst erlebte Geschichte pro Verkäufer. Parallel die HV-Sensibilisierung nach DGUV 209-093 für alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt sicherstellen.

Kurzfristig, im ersten Quartal

Probefahrt-Konzept mit fester Route über Stadt, Land und Autobahn sowie verpflichtender Ladedemonstration einführen, Rekuperation und One-Pedal-Verhalten vor der Fahrt aktiv erklären.

Mittelfristig, im ersten Halbjahr

TCO-Rechner mit echten, aktuellen Modellpaaren statt Pauschalwerten in jedes Beratungsgespräch integrieren, ergänzt um die aktuelle Förderkulisse. Eine kompakte Batterie-Faktenkarte mit den Geotab-Werten und der Garantiegrenze als festes Verkäufer-Hilfsmittel bereitstellen.

Woran sich der Erfolg zeigen sollte

Steigt der Anteil der Probefahrten mit echter Ladedemo spürbar und sinkt die Zahl der Gesprächsabbrüche wegen Reichweiten- oder Batterie-Einwänden, wirkt die neue Gesprächslogik.

Bleibt die Abschlussquote trotzdem niedrig, liegt der Engpass eher bei Preis und Restwert, dann muss dort nachgeschärft werden, nicht bei der Fahrerfahrung.

Quellen

  1. [1]DAT-Report 2025: Autokauf-Studie, Zitat Uta Heller. haustec.de
  2. [2]ADAC: Reichweitentest Penzing, September 2025 (mit c't). regionalupdate.de
  3. [3]UScale: EV Satisfaction Study 2025, 5.004 Befragte D/A/CH, Zitat Dr. Axel Sprenger. voylt.com
  4. [4]technikblog.ch: Langstreckenbericht VW ID. Buzz, Juli 2025. technikblog.ch
  5. [5]auto motor und sport: Langstreckentauglichkeit Elektroautos, BMW i3s Selbstversuch. auto-motor-und-sport.de
  6. [6]electricar-magazin.de: Selbstversuch Polestar 2 Long Range. electricar-magazin.de
  7. [7]GameStar: 600 Kilometer im Kia EV3, Selbstversuch. gamestar.de
  8. [8]emobile academy: „Sales-Genius Elektromobilität", DEKRA-Zertifizierung. emobile-academy.de
  9. [9]Van Horen et al.: „When it pays to be clear: the appeal of concrete communication under uncertainty"; Lotaro: Storytelling im Vertrieb. researchgate.net, lotaro.de
  10. [10]ADAC Autoversicherung: Umfrage zu E-Auto-Probefahrten, August 2025. autohaus.de
  11. [11]DGUV Information 209-093; kfz-hh.de / autohaus.de: HV-Qualifizierungsstufen im Kfz-Gewerbe.
  12. [12]Bundesregierung / ADAC / FINN: E-Auto-Förderung 2026. adac.de, finn.com
  13. [13]Finanztip / Check24: THG-Prämie 2026. finanztip.de, check24.de
  14. [14]ADAC: Vollkostenvergleiche BEV vs. Verbrenner, mehrere Modellpaare 2025/2026.
  15. [15]Geotab: Battery Degradation Analysis, Januar 2026, Zitat Charlotte Argue.
  16. [16]DAT-Barometer, September 2025: Restwertentwicklung BEV gegenüber Verbrennern; DAT zur Wirkung der Neuwagenförderung auf das Gebrauchtpreisgefüge. autohaus.de
  17. [17]VAD: Studie „Die Deutschen und der Automobilhandel", Zitat Burkhard Weller. autohaus.de
  18. [18]DAT-Report 2026, Kurzbericht Januar 2026, Grafiken E3 und E4: Erfahrungen und Bedenken privater BEV-Besitzer. dat.de
  19. [19]BMW Bank: Studie „Vorurteile gegen gebrauchte Elektrofahrzeuge", Juli 2025, 1.000 Befragte.
  20. [20]CAR-Institut, Universität Duisburg-Essen: Rabattstudie 2025, Preisabstand Elektroauto zu Verbrenner.
  21. [21]ADAC: Bundesweite Kraftstoffpreise, Wochenauswertung KW 30/2026.
  22. [22]AUTO1 Group: Price Index Juli 2026 und Juni 2026 mit Elektro-Teilindex; Kraftfahrt-Bundesamt, Jahresbilanz der Fahrzeugzulassungen 2024.
  23. [23]mobile.de und AutoScout24: Marktdaten zu Standtagen und Angebot gebrauchter Elektrofahrzeuge, Juni und Juli 2026.
  24. [24]UScale: Gebrauchtwagenstudie Juli 2025, 1.263 befragte Käufer von Elektrofahrzeugen; Standzeiten und Standkosten im Handel.
Weiterlesen Warum Menschen Elektroautos ablehnen, obwohl die Fakten dafür sprechen

Die psychologischen Mechanismen hinter der BEV-Ablehnung im Detail: Verlustaversion, Nocebo-Effekt, Reaktanz und kulturelle Prägung, dazu Handlungsempfehlungen für das Verkaufsgespräch. Die ausführliche Grundlage zu dem, was dieser Beitrag nur streift.

Studien & Forschung · 31 Quellen · Nature Energy, Fraunhofer ISI, PNAS, TU Chemnitz